Bio-Wein – Natur oder Chemie?

In der Weinherstellung wird mit vielen künstlich hergestellten Produkten gearbeitet. Das liegt vor allem daran, dass die Weinrebe sehr anfällig für Schädlinge und Pilze ist. Die stofflichen Kreisläufe der Weinrebensorte in Abhängigkeit von Lage, Boden und Klima sind so komplex, dass der biologisch einwandfreie Anbau von Wein auch eine Wissenschaft ist. Vor allem in unseren eher feuchten Breiten ist ein naturschonender Anbau von Wein – also ökologischer Weinbau – ohne chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel aufgrund des ständig drohenden Pilzbefalls schwierig.

Bio-Wein ist ein alter Hut

Der Anbau von Bio-Wein ist kein Hype der letzten Jahre, sondern wird in den mediterranen Weinbauländern schon seit über 50 Jahren entwickelt und stetig verbessert. Seit 2012 gelten in der EU besondere Regelungen für die Erzeugung von Bio-Wein – nicht nur im Weinanbau, sondern auch in der darauffolgenden Herstellung, also in der Verarbeitung, um einen Wein als Bio-Erzeugnis nach EU-Richtlinien zu zertifizieren.

Die größte Abhängigkeit für die Erzeugung eines Bio-Weins liegen im Boden – dem Terroir. Nicht auf jedem Boden lässt sich jede Weinsorte kultivieren. Die dann auch noch ohne chemische Waffen gute Erträge bieten soll. Es gibt zwar sehr robuste Rebsorten, die weniger von Pilzen oder Schädlingen befallen werden als andere, die müssen aber dann auch für das Land, das dem Winzer zur Verfügung steht, geeignet sein. Wenn der Winzer aber nun in jedem Fall auf Biowein umstellen will, was tun? Dafür muss er zunächst den Nährstoffgehalt seines Bodens prüfen und hoffen, dass dieser so hoch ist, dass eine Düngung kaum erforderlich ist. Hat er die passende Rebsorte und der Bio-Anbau kann beginnen, muss unter anderem auch der vorhandene Schadstoffgehalt im Anbauboden geprüft werden – denn der geht in der Rebe auf. Um in Europa eine Zertifizierung als Biowein zu bekommen, müssen Winzer einen herkömmlichen Betrieb allein schon aus den genannten Gründen über mehrere Jahre sukzessive umstellen.

Der natürliche Weg

Aber wie düngen Bio-Winzer ihre Reben und halten unerwünschte Feinde für einen guten Ertrag fern? Grundsätzlich kann man sagen: Bei Bio-Wein ist der Einsatz von Pestiziden und Herbaziden oder anderen künstlich erzeugten Mitteln per se nicht erlaubt. Schädlinge und Pilze müssen zwingend auf natürlichen Wegen, also beispielsweise mit dem Einsatz natürlicher Fressfeinde bekämpft werden. Das ist der wesentlichste Unterschied zur konventionellen Weinherstellung. Denn die herkömmliche Weinherstellung nutzt schnell wirkende Mineral- und Stickstoffdünger, um die Höhe des Ertrages zu steigern. Außerdem verwenden Winzer in der Regel synthetische Pflanzenschutzmittel schon vorsorglich nach einem festgelegten „Spritzplan“ – damit wird der geplante Ertrag möglichst ohne Schädlingsbefall oder Erkrankungen der Rebe stabil gehalten. Ökologische Weinbauern hingegen versuchen, ihre Erträge unter anderem mit der Förderung von nützlichen Bepflanzungen und dem Ansiedeln von Insekten und Mikroorganismen nach dem symbiotischen Prinzip – also Pflanzen und Tiere, die sich in einem Biotop gegenseitig brauchen und helfen – zu halten und zu steigern. Desweiteren kommen mechanische Hilfsmittel, zum Beispiel zur Unkrautbeseitigung, zum Einsatz.

Schwefel in Bio-Wein?

Und warum enthält auch Bio-Wein Schwefel? Bio-Winzer versetzen ihre Weine zwar mit deutlich weniger Schwefel, können aber darauf auch nicht ganz verzichten. Wein produziert bereits im Gärprozess Schwefeldioxid. Als Konservierungsmittel muss weiteres Schwefeldioxid hinzugegeben werden, ohne dass ein großflächiger Anbau von Bio-Weinen ebensowenig möglich wäre wie bei konventionellen Rebsäften. Das ist für den Menschen prinzipiell in geringen Mengen auch nicht schädlich, zumal der Zusatz von Schwefel in der EU strengen Kriterien und zulässigen Höchstwerten unterliegt. Aber: Es gibt Menschen, die auf Schwefel teilweise heftig allergisch reagieren bzw. bei denen unter Umständen auch minimal vorhandene Allergien und Unverträglichkeiten verstärkt werden. Deshalb sollte eigentlich jeder Mensch Schwefelzusätze in allen Lebensmitteln (wie zum Beispiel auch Trockenfrüchten) möglichst meiden. Doch man muss deshalb nicht auf Wein verzichten: Es gibt auch (etwas teurere) ungeschwefelte Bio-Weine, die man gezielt suchen und erfragen kann.

Zu beachten ist außerdem: Nicht immer ist ein Wein nicht bio, nur weil er kein EU-Biosiegel trägt. Dafür können schon kleinste nicht vorhandene Bedingungen auf dem Weingut ausschlaggebend sein und der Wein ist trotzdem naturschonend hergestellt. Es empfiehlt sich wie bei allen Lebensmitteln: Sich im Handel beraten lassen und wenn möglich, Wein vom Winzer direkt kaufen. So kann man sich selbst überzeugen, dass man ein gutes Produkt aus einem umweltfreundlichen und naturfördernden Anbau in den Händen hält.

Es gibt bisher wenige Testreihen und entsprechende Ergebnisse, um sich ein umfassendes Bild außerhalb der Fachliteratur zu machen. Die Fachzeitschrift „Wein + Markt“ hat unter anderem 2013 Bio-Weine unter 5 Euro getestet und unter vielen schwächeren Anbietern fünf offenbar sehr gut Weine herausgesucht. Aber das sollte jeder für sich selbst testen – Geschmäcker sind schließlich verschieden.

Zum Wohl !

 

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